Westfälische Nachrichten 12.12.2008

Freitag, Dezember 12, 2008

„Oscars“ für ganz besondere Stars

Von Monika Gerharz
 

Greven. So viel Ehrenamt auf einem Fleck ist selten in Greven, vor allem so vielfältiges. In der Kulturschmiede zeichnete die Stadt Greven am Donnerstagabend zehn Bürger aus, die sich intensiv für andere einsetzen – in Sportvereinen und Altenheimen, in Kindergärten und bei Rettungsdiensten und in vielen anderen Bereichen. „Wir wollen eine neue Kultur etablieren, eine Kultur der Anerkennung und Würdigung“, erläuterte Bürgermeister Peter Vennemeyer am Donnerstag, warum die Stadt eine solche „Ehrenamts-Ehrung“ etablieren will. Zehn Menschen sollten, stellvertretend für viele, mit einer Urkunde ausgezeichnet werden, die Grevener Gastwirte spendierten für jeden einen Essensgutschein für zwei Personen, und überdies lässt die Sparkasse jeweils 200 Euro für die Arbeit in ihrem Verein springen, die in die jeweiligen Vereine und Projekte fließen sollen.

Vor die Ehrung haben die Götter die Qual der Wahl gesetzt – und die war schwer für die Jury, das gab der Bürgermeister zu. „Man kann eigentlich nur falsch entscheiden“, sagte er. Denn verdient hätten es viele. 63 Vorschläge für 55 Personen hatte es gegeben, und noch sehr viel mehr sind seit Jahren und Jahrzehnten in Vereinen, Verbänden, Kirchen und Projekten aktiv. Die Juroren verständigten sich darauf, aus möglichst vielen Bereichen Repräsentanten zu wählen, alte und junge, „Altgediente“ und „Frischlinge“, die mit dem Ehrenamt in neue Bereiche vorstoßen, in denen es bisher wenig Engagement gab. Frauen und Männer sollten gewürdigt werden, und ein Kriterium war auch, dass es Leute sein sollten, die viel tun, aber oft eher im Hintergrund stehen. Der Bürgermeister: „Ihnen allen sagt die Stadt Greven danke.“

Und dann wurden die „Ausgezeichneten“ von Andrea Stullich, der Chefredakteurin von Radio RST, in kleinen Interviews vorgestellt. Gülhan Akilliok erzählte von ihrem Sprachunterricht für ausländische Frauen und der Elternarbeit im DRK-Kindergarten. Ulrich Goldschmidt plauderte über die 34 Jahre, die er im Rettungsdienst der Malteser aktiv ist. Ursel Hiltner-Wawra schilderte, wie sie und ihre Mitstreiterinnen im „FEE“-Projekt der Caritas junge Familien unterstützen, Roswitha Hoffmann berichtete, wie vor 21 Jahren im Matthias-Claudius-Haus die Grundlagen der Hospizarbeit gelegt wurden. Sylvia Nickel vom Lebenshilfebeirat, in dem Menschen mit einem Handicap ihre Interessen selbst vertreten, gab Einblick in ihre Arbeit. Marlies Schürkmann von der Turnabteilung des TVE nutzte die Gelegenheit und warb um weitere Ehrenamtliche. Werner Teupe, die Säule nicht nur für Frohsinn-Ost, erzählte, was ihm so begegnet, wenn er als Nikolaus unterwegs ist. Kai Tieseler gab Einblicke in die Pfadfinderarbeit in Reckenfeld, Gertrud Vogel von der Mariengemeinde berichtet vom Engagement für die Dritte Welt und Kocheinsätzen im Ferienlager. Und Ruth Zurheide, sowohl von der Tafel als auch von der Selbsthilfegruppe Multiple Sklerose vorgeschlagen, erzählte davon, dass die Armut in Greven keineswegs kleiner wird. Und zum Schluss der Ehrung wurden „außer der Reihe“ noch die „Managerinnen des Ehrenamts“ in Greven geehrt – Gertrud Renz, Hildegard Wilsmann, Anne Grohmann, Ruth Zurheide und Hildegard Holling vom „Pluspunkt“ bekamen von Ulrike Penselin von der Stabsstelle Ehrenamt bunte Blumensträuße.

Dann stießen die Geehrten, ihre „Paten“, die sie vorgeschlagen hatten und viele Kommunalpolitiker mit Sekt und Orangensaft darauf an, dass das Ehrenamt in Greven weiterhin blüht. Und um die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements zu unterstreichen, soll es in zwei Jahren wieder eine Ehrenamts-Ehrung geben. Denn würdige Kandidaten gibt es genug.

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